RISS II - Projekt 6

Religion zwischen Säkularisierung und Fundamentalismus - die (Re-)Politisierung von Religion

Dieses Projekt beleuchtet, wie religiöse Organisationen auf säkularisierungsbedingte Herausforderungen reagieren und damit möglicherweise zu zunehmenden sozialen und politischen Gräben in der deutschen Gesellschaft beitragen. Wir untersuchen religiöse Organisationen, da diese besonderem Druck ausgesetzt sind, da Säkularisierung für sie nicht nur eine Krise darstellt, sondern ihre ganze Existenz in Frage stellt. Wir nehmen an, dass einige lokale Gemeinschaften "business as usual" betreiben ('Attenuation') während andere politisierte Reaktionen wählen, indem sie sich entweder dem liberal-säkulareren Mainstream annähern oder sich diesem Trend aktiv entgegenstellen undkonservativ-fundamentalistische Positionen bestärken (beides Strategien der Innovation). Wir erwarten Unterschiede diesbezüglich nicht zwischen sondern innerhalb von Konfessionen. Unsere Forschung wird wichtige Erkenntnisse liefern, wie Organisationen mit existenziellen Belastungen umgehen und in einem zweiten Schritt, wie sich dies auf ihre interne Kohärenz auswirkt, einschließlich möglicher Zugewinne und Verluste an Mitgliedern ('Closure') je nach gewählter Strategie. Wir gehen davon aus, dass das Vorgehen der Organisationen von verschieden Faktoren abhängt: i) der Präferenzen der lokalen professionellen Führung, ii) der sozialen und politische Zusammensetzung ihrer (aktiven) Mitglieder, iii) den Präferenzen von Strukturen höherer Ordnung (und die Abhänigkeit von diesen) und iv) der sozio-politischen Zusammensetzung der lokalen Umgebung. Wir werden weiterhin die Frage beleuchten, wie Repräsentant*innen religiöser Organisationen (Führung und Aktivist*innen) mit der deutschen Allgemeinbevölkerung verglichen werden, um zu analysieren, ob religiöse Organisationen die Gesamtgesellschaft hinsichtlich poitischem Verhalten und Einstellungen widerspiegelen oder ob sie politische Nischen darstellen, die nicht mehr in der Lage sind, die deutsche Gesellschaft zu beeinflussen.

Unsere Auswertungsstrategie ist multidimensional; die lokalen religiösen Organisationen stehen im Zentrum der Betrachtung und stellen unsere wichtigste Beobachtungseinheit dar. Wir berücksichtigen katholische, protestantische, muslimische, jüdische und freikirchliche Gemeinden in Deutschland. Die Datenerhebung beinhaltet originäre Survey-Daten zu den einzelnen Gemeinden, für die Leitungspersonen und aktive Mitglieder Fragebögen beantworten, angereichert durch geographische Daten zum sozio-politischen Umfeld und die Analyse von online Dokumenten, die von den höheren Ebenen der religiösen Organisationen veröffentlicht werden. Der Anschluss an das RISS Politicized Identity Survey wird es uns ermöglichen, aktive Mitglieder religiöser Gemeinschaften mit der Allgemeinbevölkerung zu vergleichen.